{"id":1190,"date":"2012-08-10T11:58:22","date_gmt":"2012-08-10T09:58:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.omniro.de\/Gipfelbuch\/blog-jr\/?p=1190"},"modified":"2012-08-10T12:13:05","modified_gmt":"2012-08-10T10:13:05","slug":"lorsbach-warm-machen-muss-man-sich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.omniro.de\/Gipfelbuch\/blog-jr\/2012\/08\/lorsbach-warm-machen-muss-man-sich-nicht\/","title":{"rendered":"Lorsbach: Warm machen muss man sich nicht"},"content":{"rendered":"<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem an Lorsbach ist, dass zu viele sich in den einfachen Routen tummeln und es Menschen gibt, die egoistisch sind, oder nicht weit genug denken.<\/p>\n<p>Der Fels kann ja nichts daf\u00fcr, aber das macht Lorsbach wirklich unattraktiv.<\/p>\n<p>Wir kamen um 18 Uhr an und hatten Gl\u00fcck, dass die rechten Routen gerade frei waren. Seit vier Wochen nicht geklettert, Probleme im R\u00fccken. Erst mal eine einfache Route klettern um warm zu werden. Den Spund 5+ wollten wir nicht machen, also war es die<strong> Einstiegsvariante 5+<\/strong> der <strong>Via Ingrid 6+<\/strong>.<br \/>\nUnd wurde gleich ein Waterloo. Da wir die Route noch nicht kannten, tat sich im ersten Versuch Holger sehr schwer und als ich dann vor stieg, hatte ich im Mittelteil einen soliden 6 Meter Sturz hingelegt. Aber der Reihe nach. Holger stieg vor und verzettelte sich viel zu lange vor dem ersten Block, bis die Muskeln zu waren. Also \u00fcbernahm ich den Vorstieg. Mittlerweile war eine neue Seilschaft angekommen, die erst uns baten in den Spund direkt neben an, vor uns einsteigen zu d\u00fcrfen. Da wir nicht schnell genug Folge leisteten (Holger sa\u00df noch am ersten Haken), ging der Mann dann als erstes den <strong>rechten Einstieg 7<\/strong> und mir war klar: ok, ein Local, noch dazu ein Oldie, der den Fels wahrscheinlich zum tausendsten Mal klettert, seine Ausr\u00fcstung und sein Auftreten, seine abgemagerte Gestallt, Sonnenbrille und uralt Basecap und T-Shirt lie\u00dfen die Vermutung zumindest zu.<\/p>\n<p>Ich kletterte \u00fcber den Block, k\u00e4mpfte ganz gut an den folgenden Griffen. Da ich die Route nicht kannte, dauerte alles etwas l\u00e4nger und die Haltekraft kostete mich einigen Schwei\u00df. Warm war es au\u00dferdem. Vor dem n\u00e4chsten Haken bekam ich dann Probleme. Der einzigen guten Griff, den ich sah, war links des Hakens nur mit rechts zu greifen und zu weit, um dann mit links zu klippen. Ich suchte, versuchte die F\u00fc\u00dfe anders zu stellen, probierte Griffe und merkte, wie mir die Muskeln zu gingen. Als ich dann den linken Fu\u00df noch einmal auf eine andere Stelle setzte und mit links umgreifen wollte, bekam ich die Finger gar nicht mehr auf, geschweige denn zu, um zu greifen, und abw\u00e4rts ging es. Zwei, drei Meter \u00fcber dem letzten Haken und leider nicht weit vom Grund, weswegen mein erster Gedanke auch &#8220;Grounder&#8221; war. Aber es reichte noch. 2 Meter \u00fcber dem Boden hing ich, Holger hatte sauber reagiert und noch das Seil verk\u00fcrzt. Das ist in Lorsbach wirklich wichtig.<\/p>\n<p>Beim zweiten Versuch blieb ich dann ein St\u00fcck weiter rechts, konnte unproblematisch klippen und noch weiter rechts gute Griffe sehen. Da schaute von oben der Oldie-Local \u00fcber die Kante brummelte was von &#8220;Mal Platz machen, sonst pendel ich noch auf dich&#8221;. Ich war mitten im Klettern und einfach war es auch nicht gerade, noch dazu neu und der Depp wollte jetzt an dieser Stelle abseilen und zwar Pronto. Als ich nicht sofort reagierte, wiederholte er es noch mal und da war dann die Freundlichkeit in mir vorbei: &#8220;Du siehst doch, dass ich hier klettere und genug Probleme habe. Du hast doch alle Zeit der Welt, dann wart halt mal.&#8221; Erst sp\u00e4ter ging mir auf, was dieser Egoist eigentlich wollte: <strong>Schnell nach unten und die n\u00e4chste Route blockieren! <\/strong>Denn gerade kamen neue Kletterer unten an.<br \/>\nAlso ich \u00fcber die Kante kam, sah ich, dass er schon vor uns den <strong>Rechten Ausstieg<\/strong> eingeh\u00e4ngt hatte. Tja, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So einfach ist das in Lorsbach, wenn man einen Egoisten-Local trifft. Statt seinen Umlenker ganz rechts zu nehmen, geht man schnell die n\u00e4chste Route hoch, ohne zu fragen, denn wir waren ja fr\u00fcher in der Route darunter und eigentlich war abzusehen, dass wir dort weitergehen w\u00fcrden. Aber auch dazu muss man genaue Kenntnisse von Lorsbach und viel Erfahrung haben.<\/p>\n<p>Das hat er nicht etwa aus-Versehen gemacht, sondern in vollem Bewusstsein und Kenntnis der Situation. Schlie\u00dflich kamen noch einige Seilschaften gerade an und der Kenner sichert sich auf diese Weise gleich die n\u00e4chste(n) Routen. Nicht nur, dass er den <strong>Rechten Ausstieg<\/strong> damit belegt hatte und ich gezwungenerma\u00dfen am n\u00e4chstbesten B\u00fchler abseilen musste, nein, er hatte beim Aufstieg auch noch die Route daneben gebraucht und ein paar Exen zeigten, dass er die halbe Wand benutzt hatte.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes ging dann seine Seilpartnerin Toprope. Also auch keine Chance f\u00fcr Holger sich dazwischen zu schieben und da der Umlenker schon mal belegt war, kletterten die beiden von dort aus noch Toprope das Schneewei\u00dfchen mit. Sp\u00e4ter sah ich sie dann noch das Grasb\u00e4ndchen machen. Also drei auf einem Streich. Echt clever, der Egoisten-Local!<\/p>\n<p>So einfach ist das. Eine schnelle Route und du hast dir die drei Hauptrouten als n\u00e4chstes gesichert und die bl\u00f6den Newbies k\u00f6nnen warten.<br \/>\nIch war derma\u00dfen geladen, dass ich ihm einiges an den Kopf geschmissen habe. Wehe, der kommt mir noch mal in die Finger.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise war gerade der Engl\u00e4nder vom letzten Mal angekommen und ich hatte ein paar nette Gespr\u00e4chsthemen, sonst w\u00e4r ich wahrscheinlich noch ausfallend geworden.<\/p>\n<p>Dem Engl\u00e4nder hatte man in der Pfalz den Rucksack geklaut und so erz\u00e4hlten wir uns Verlustgeschichten und ich kam wieder auf seine Exen, die an beiden Enden Schraubkarabiner haben. Die h\u00e4ngt er an Schl\u00fcsselstellen in die Wand, um zu verhindern, dass bei einem Sturz sich das Seil selber aush\u00e4ngen kann. \u00c4hnliches empfieht ja nun die DAV-Unfallforschung. Vielleicht baue ich mir auch mal eine.<\/p>\n<p>Da es noch voller wurde und die eine neue Gruppe schon Richtung dr\u00e4ngte, beeilten wir uns und gingen wieder den <strong>Fledermausweg 6+<\/strong>. Nicht ohne die Gruppe zu fragen, ob wir einen anderen Umlenker nehmen sollten, falls sie nebenan klettern wollten. Wir verst\u00e4ndigten uns und so konnte jeder klettern, was er wollte und konnte.<\/p>\n<p>Diesmal, bis auf meine gef\u00fchlte Kraftlosigkeit, \u00fcberhaupt kein Problem. Ich hatte nur st\u00e4ndig das Gef\u00fchl, dass ich schon an der Grenze klettere, obwahl da noch viel Luft war. Mir liegt es immer weniger, gleich auf 100% zu kommen. Ich brauche offenbar ein, zwei, drei Routen zum einklettern. Das ist mir schon in der Halle im Winter aufgefallen. Am besten war der Rhythmus: Einfach (5+ oder 6-), schwerer (6, 6+), leicht (5+, 6-), und dann in die 7er oder 8er. Zu fr\u00fch in die 7er und die Arme sind den ganzen Abend lahm.\u00a0\u00dcberhaupt sollte ich mal versuchen immer wieder eine ganz Leichte einzustreuen. Wir klettern oft den ganzen Abend auf einem (hohen) Niveau. Das tut den Knochen nicht gut.<\/p>\n<p>So hatte ich zwar das Gef\u00fchl, die Finger und Beine seinen lahm, aber die Route lief ich ganz locker durch. Vorm Dach diesmal auf die glatten Fl\u00e4chen geachtet und gleich die fetten Henkel \u00fcber dem Dach genommen, konnte ich rasch die Aussicht genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Da mein R\u00fccken sich wieder meldete ging es zum Schluss in die <strong>F\u00fcr Brigitte 6-<\/strong>, wobei wir den unteren Teil dem Engl\u00e4nder \u00fcberlie\u00dfen und uns weit rechts hielten. \u00dcberhaupt nimmt man in Lorsbach oft den Weg der Nachbarroute. So kletterten wir f\u00fcr den Fledermausweg immer den unteren Teil der &#8220;Geraden Schleife&#8221; und mir scheint, dass machen alle so.<\/p>\n<p>Schwierig ist in Lorsbach, dass es einige Wege gibt, die \u00fcber andere Routen hinweg gehen oder gar deren Umlenker nutzen. So blockiert man schnell mal einige Routen. Aber wie schon oben gesagt, der Fels kann da nichts dazu. Die Menschen sind es. Warum muss ich, wenn der Fels so voll ist, wie gestern, den kompletten Alten Weg gehen und somit drei, vier Routen blockieren? Wenn dann noch zwei, drei Nachsteiger kommen, kann der Rest heim fahren. Ich verstehe die Leute nicht. Wir wollen doch alle gemeinsam Spa\u00df haben. Da muss es doch m\u00f6glich sein, R\u00fccksicht zu nehmen, oder auch die Seilschaft nebenan zu fragen, was sie denn vor hat, auch wenn man zuerst da war!<br \/>\nSo habe ich es gehalten und die Dreiergruppe und wir haben uns dann arrangiert. Im Zweifel ist es auch kein Problem in einem Umlenker zwei Karabiner einzuh\u00e4ngen und der letzte bringt den Kram halt mit. In Lorsbach erscheint das den Menschen eher ungew\u00f6hnlich und unsicher zu sein, im Odenwald normal und im Ausland eher Normalzustand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem an Lorsbach ist, dass zu viele sich in den einfachen Routen tummeln und es Menschen gibt, die egoistisch sind, oder nicht weit genug denken. Der Fels kann ja nichts daf\u00fcr, aber das macht Lorsbach wirklich unattraktiv. Wir kamen um 18 Uhr an und hatten Gl\u00fcck, dass die rechten Routen gerade frei waren. 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