Hochzeitstag – ohne Frau am Dreistaffelfels. Ist ja eigentlich nicht meine Art.
Svenja, Inga Holger und ich ziehen bei genialem Wetter los, statt uns auf der Autobahn in den Feiertagsrückreiseverkehr zu stellen.
Zuerst geht es zum Leupoldstein. Den wollen wir Holg unbedingt einmal zeigen. Am Parkplatz stehen schon 20 Autos. Und als mir dann auch noch Kinderwagenhorden entgegenkommen, beschließen wir uns einen ruhigeren Ort zu suchen.
Die Betzensteiner Sportkletterwand hat auch Besuch. Nicht viel. Eigentlich hätten wir klettern können, aber die Wand liegt komplett im Wald und es ist noch nicht so warm, dass es nicht besser geht. Zum anderen kennen wir den Fels schon. So geht es zum Dreistaffelfels.
Dieser hat ebenfalls Besuch, aber die eine Gruppe, eine Familie, und zwei Seilschaften, nimmt er locker auf. Wir bleiben.

Den Kids hänge ich die Durstwand 4+ ein. Und wieder habe ich das Gefühl, dass die leichten Wände eigentlich die gefährlichen sind. Wenn hier jemand stürzt, fällt er unweigerlich auf Felsen. Der Sturzraum ist einfach schlecht. Erst am Umlenker kann man sich einen Sturz erlauben. Man hat drei Meter Freiheit unter sich.
Direkt daneben liegt die Betzensteiner Verschneidung 6-.
Klemmkeile mitnehmen, steht im Führer. Und dieser Tip ist kein Ratschlag, sondern Pflichtprogramm! Der erste Bühler komm in 10 Meter Höhe, es können auch 2 mehr sein. Bis dorthin ist der Weg lang. Ich tue mir nicht leicht. Zwei Friends setze ich. Der zweite ist meine Lebensversicherung, denn die rechte Hand droht abzurutschen. Ich rufe dem Kitzi noch schnell zu “Könnt sein, dass ich abrutsche”, dann kommt mir die Idee, den linken Arm sehr weit in den Riß zu stecken und die Faust zu ballen. Das hält. Ich bin wieder sicher, finde den nächsten Tritt rechts außen und kann den nächsten Haken klippen. Wahrscheinlich habe ich es mir einfach zu schwergemacht, Svenja geht anschließend an dieser Stelle ganz locker vorbei, Toprope zwar, aber sie setzt einfach den rechten Fuß weiter außen an die rechte Wand und lehnt sich nach vorne an die Wand und ist safe.
Mit dem Bühler unter mir geht es schon viel flüssiger – die Angst ist weg und klettere am oberen Teil der Wand vom Riß weg nach links. Dort finden sich gute Griffe, zwei Züge später, auf der Kuppe, geht es nur noch ein paar Meter bis zum Umlenker. Kein vergleich mehr zum Mittelteil.
Svenja klettert die Route sauber. Murrt zwar mittendrin, will eng gesichert werden, Kraft wie sie nun einmal hat, macht sie es mit Gewalt und ist rasch oben. Bei Inga dauert es anfangs länger, da der untere Teil für Erwachsene “gemacht” ist. In der eigentlichen Verschneidung spielt sie mit ihrer Gelenkigkeit. Mühelos kommt sie hoch. Anschließend ist Holger an der Reihe. Er müht sich, hat aber bei weitem nicht so viel zu kämpfen wie ich.
So schließen wir die Heiße Sache 6+ direkt an.
Der Einstieg ist gleich, dann kommen zwei Startgriffe, die sich hervorragend greifen lassen. Nun am gestreckten Arm die Beine hochziehen und los geht es. An jeder Sicherung brauche ich eine Verschnaufpause. Ich finde fast nichts für die Füße. Dann wieder kommen große Löcher und man steht in der Wand. Nach dem zweiten neuen Haken kann man über rechts es sich einfacher machen oder links ein wenig schwerer. Eingezeichnet ist rechts, aber ich quäle die anderen links hoch.
Inga tut sich hier schwer, Svenja geht eine andere Linie, findet offenbar übertretend guten Stand, zwei lockere Züge und sie ist an der Crux durch. Ich bin völlig verblüfft. Das sah spielerisch aus. Ich glaube ihr ist gar nicht bewusst, wie souverän sie an dieser Stelle geklettert ist. Vor uns war eine Seilschaft mit zwei gestandenen Kletterern, denen wir nicht das Wasser reichen konnten und die taten sich an dieser Stelle wesentlich schwerer!
Holger dann kletterte den Riß wie bei der ersten Route hinauf. Die Kids und ich waren mit den anderen Kletteren am plaudern und so viel uns das erst auf, als er schon fast die Schlüsselstelle hinter sich hatte. Also pfiffen wir ihn zurück, schütteten Hohn und Spott über ihn aus. Das konnte er offenbar nicht auf sich sitzen lassen. So beflügelt gab es nur noch eine Richtung: nach oben – und zwar ohne Seilbenutzung. Er kämpfte sich durch die Crux und dann auch noch die linke Linie hoch und forderte dann zu Recht unseren Respekt ein: Gute gemacht Holgi 🙂
In der Summe eine nette Tour, zwei, drei schwere Züge, der Rest ist leichter.
Wir schauen uns noch die Iron Fist 6, Mantlewand 6+ an, entscheiden aber, da mittlerweile auch hier niemand mehr ist, noch einmal zu Leupoldstein zurückzukehren. Offenbar sind alle Urlauber nun auf der Autobahn und nur noch wenige Einheimige am klettern. Da das Wetter schön ist und die Arbeit noch früh genug kommt, bleiben wir auch den Nachmittag in der Fränkischen…


