San Gimignano stand die letzten Tage auf dem Programm. Unbedingt anschauen, wenn man in der Gegend ist. Und nicht nur von 10-12, wenn alle Touris hier durch laufen, Besonders zum Sonnenaufgang und –Untergang lohnt es sicher vor oder in der Stadt zu verweilen.

Wenn dann ein Ruhetag an der Reihe ist, gibt es in 20 Kilometer Entfernung einen Kletterfelsen, den der liebe Gott für überstrapazierte Touristen erfunden haben muss. Am Fuße eines alten zerfallenen Klosters beim Ort Iano liegt der Kletterfels San Vivaldo.

San Vivaldo ist auch der nahegelegene Ort, aber von dort sind es noch etliche Kilometer, bei denen ein Geländewagen nicht verkehrt ist. Ursprünglich wollten wir mit dem Wohnwagen hier her, gut, dass wir es nicht gemacht haben. Der Weg von Iano ist nicht nicht so leicht zu finden. Der nette Verkäufer im günstigen Market in der Mitte des niedlichen Dorfes, lächelt freundlich und meint „Climbing – One kilometer!“ und zeigt die Richtung. Es werden gute drei und der Weg windet sich den Berg hinauf. Zur Sanctuary of the Pietrina zeigen die Schilder. Und mittendrin denke ich, wir sind da, doch der „Dirt Square“ ist noch lange nicht in Sicht. Dann geht es links einen steilen Weg hinauf. So steil und voll Löcher, dass wir mehrfach aufsetzen. Vorsichtig geht es weiter und als der Motor langsam am heulen ist, kommt endlich ein Parkplatz in Sicht. Von dort laufen wir 20 Meter zur Sanctuary of the Pietrina und dann rechts einen kleinen Fußweg hinab. Irgend ein freundlicher Kletterer hat ein Seil in die Bäume geknüpft. Es hilft auf dem steilsten Stücken. Der Weg ist trocken, es ist angenehm kühl im Schatten der Bäume. Wenn es feuchter wäre, würde man den Hang hinuntersegeln. Wir kommen nach 500 Metern am Fels an und orientieren uns erst einmal. Ein Münchner Pärchen und ein Paar aus England sind noch da. Der Fels sieht aus wie Betonmix. Mal schaut eine Qurzader heraus, dann wieder Kies. Griffig und scharf.

Die erste Route für die Kids wird die Il magico del 4c (Unten 5b, oben 6a) Herrlich einfach. Wenn man links geht etwas schwerer, rechts sehr gute Henkel und Tritte. Der Erste Umlenker ist am oberen Rand einer Höhle in 15 Meter Höhe. Die Kids wollten nicht weiter. Ich ging erst durch die Höhle, lehnte ich mich nach außen, die Füße immer weiter nach außen auf den rechten Rand, dann strecken zum linken Haken, clippen, und über links zurück zur Linie und nach oben. Die nächsten 2 Meter sind  nicht allzu schwierig, die Griffe sind klein, aber super zu halten. Oben wird man mit dem genialsten Ausblick der Toskana belohnt. 100 Kilometer weit gewelltes Land mit Olivenbäumen, kleinen Häuschen mit ihren Swimmingpools, Weinbergen und Sträßchen. Wie eine Eisenbahnlandschaft liegt hier alles vor einem.

Als nächstes widmen wir uns Gaia 6a. Der erste Meter ist noch ein wenig schwierig, dann kommen sechs, acht Meter die so leicht sind, dass wir überlegen falsch zu sein, oder ahne, dass es oben verdammt schwer wird. Gleich zur Beruhigung: Es wird nicht schwer.
Im mittleren Teil kommen kleinere Griffe, und man muss die Füße ordentlich setzen, dann ist es ein Kinderspiel. Dann kommt der Riß und im Vorstieg Muss ich mehrfach die Hände wechseln und gegen die offene Tür kämpfen, bis ich den Rhythmus habe. Dann liegt der Riss hinter mir. Scharf war, einige Schürfwunden bluten. Aber tapen lohnt bei dem kurzen Stück nicht. Am Ende des Riss noch eine letzte Schwierigkeit, dann kommen noch einmal gute 6 supereinfache Klettermeter und man wird einmal mehr mit dem oben schon erwähnten wunderbarsten Ausblick der Toskana belohnt.

Zum Abschluss gönne ich mich noch die Mi consenta 6a+ (kann aber auch die Viva Marcos 6b+ gewesen sein).

Der Start findet auf einem Felsen vor der Wand statt und die Griffe sind klein, griffig, scharf und die Tritte halten fast alles. Die nächsten Meter sind kniffelig, wenn man die Schuppen findet, aber nicht wirklich schwer. Nur in der Mitte der Wand gelingt es mit nicht zu greifen und mit der anderen Hand zu klippen. Fast reist es mich nach unten, als ich ein schmales Band sehe, an denen zwei Finger Halt bekommen. Bis dahin war ich froh ohne Pausen zu klettern, aber jetzt braucht es Pausen.
Die nächste Passage wird schwerer, die Griffe sind spärlicher. Aber für eine 6a+ finde ich es immer noch einfach. Dann kommt noch einmal ein kleiner Überhang, dafür gibt es Untergriffe und über der Exxe einen guten Griff für die linke Hand. Die nächste Exxe und schon ist man am Umlenker

Das Klettergebiet ist eher überbewertet (oder wir waren alle gut drauf), extrem gut abgesichert (manchmal hatten wir zu wenig Exxen dabei – also > 15 mitnehmen!), die Höhe der Routen um die 20-25 Meter.

Bislang auf allen Touren das Klettergebiet zu dem ich als erstes wieder einmal einen Umweg fahren würde, um dort zu klettern! Ich kann mir vorstellen, dass hier an manchen Tagen extrem viel los ist. Auf der anderen Seite liegt es so abgelegen und nicht leicht erreichbar, dass es ebenso gut möglich ist, dass man tagelang alleine ist.

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