Am Röthelfels habe ich offenbar kein Glück. Ein schöner sonniger Donnerstag, wir stehen am Röthelfels und wollen den Daniel erklimmen. Kokolores 6 soll es wieder sein. Der Fels ist nach vielen Tagen Regen trocken und nur wenige Kletterer sind da. Die ersten Meter gehen gut, ein wenig müde von der langen Autofahrt, aber die Genußroute hat es mir angetan. Auf der Spitze ein Blick nach unten und der nette Nachbar in der Route macht sogar ein Bild. Weiter gehts an der Hauptwand und diemal weiß ich, dass ich den alten, rostigen Hakren rechts der Route nutzen soll. Dann die rechte Hand in einen Riß geklemmt, Ringfinger und kleiner Finger klemmen gut, nur für die Füße finde ich nichts. Zweiter Versuch, jetzt passt es. Mit der linken in einen weiteren Riß, Füße anstellen. Nur noch clippen.
Oh, da hängt ja eine Exe! Offenbar hat der letzte es nicht weiter geschafft oder sie vergessen. Oder die Locals haben die Stelle ein wenig entschärfen wollen und jetzt hier eine Exe eingehängt. Für eine glatte 6 ist das eine wirklich schwierige Stelle. Sie steht ein wenig schief, aber richtig wahrnehmen tue ich das nicht.
Seil greifen, mit links ausziehen, ich komme gerade so an die Exe, etwas weit weg, dass ganze. Wenn da jetzt keine Exe wäre, hatte ich lieber die Panic-Exe genommen. Aber da hängt nun eine, also streck dich. Ich erreiche die Exe mit dem Mittelfinger und will ziehen, um mit dem Daumen, das Seil einzulegen – doch der geringe Zug reicht schon, um die Exe aus dem Haken auszuhaken. Ich schwinge – offene Tür – nach rechts, die Finger der rechten halten nicht mehr, ich merke wie die Haut wegfetzt und fliege nach hinten. Im Flug merke ich, dass an meinem Helm der Daniel vorbeirauscht und komme nach gut 10 Metern zwischen Daniel und Wand zum stehen.

Nicht aufgeschlagen, der Kopf hat die Felsspitze nicht berührt.
Ein Blick auf die Finger! Die sind noch dran, bluten aber schon.
Was nun? Hoch! Ich will da jetzt rauf. Ich rufe meinen Sicherungspartner zu, dass alles ok ist und klettere nach oben. Irgendwie kommt mir in den Sinn doch abzubrechen, da es jetzt doch ordentlich blutet, dass ich mich nicht an dem alten, rostigen Haken abseilen will. Also weiter. In den Riß der rechten Hand komme ich nicht mehr hinein, der Ringfinger ist schon angeschwollen. Also mit links und mit rechts clippen. Irgendwie kämpfe ich mich über die Stelle und werde vom Ärger über den Kletterer getrieben, der den nicht richtig einghängten Karabiner dort hat hängenlassen. Zum einen war die Exe falsch herum und der Drahtschnapper nur mit der Nase eingehängt. Der Zug meiner Hand hat ihn abspringen lassen und mich nach unten gerissen. Oh, was war ich wütend!
Aber nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich, benutze ich doch nie fremdes, unbekanntes Material. Ich hätte ihn übergehen, meine Exe danebenhängen oder die Exe erst abnehmen sollen. So ein Shit.

Oben angekommen, verarzte ich mich notdürfig, will nicht den ganzen Fels mit roten Flecken verziehren. Nach dem Abseilen wird mir erst bewusst, dass der alte, rostige Haken, dem ich kein Vertrauen geschenkt haben, mir vielleicht das Leben gerettet hat. Aber Abseilen wollte ich dort nicht. Das hatte ich wahrscheinlich locker tun können, denn den Sturz hat er locker gehalten.

Wir klettern noch ein paar schöne Routen, aber ich werde nie mehr fremdes Gerät, dass im Fels hängt benutzen oder belasten!

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