Feiertagmorgen, Wetterprognosen mies. Also ganz früh nach Lorsbach in der Hoffnung vor dem großen Regen noch klettern zu können.

Um dreiviertel neun sind wir am Fels und Holger, der zum ersten Mal den Taunusschiefer genießt, hat sich die Wand ganz anders vorgestellt. Wie Ölschieferplatten in Messel.
Wir klettern zum Anfang die Route Spund 5+ und den Rechten Ausstieg 5+
Die bin ich noch nicht gegangen, aber bis auf eine gewisse Orientierungslosigkeit im Mittelteil ist die Route sehr gefällig.
Danach hänge ich das Grasbändchen 6- und finde unter dem Querband erst den Untergriff nicht. Dann sitzt der nächste Haken extrem hoch. Ich grübele, sehe den Untergriff, Füße höher gestellt, jetzt reicht es ganz bequem zum klippen, rechter Griff oberhalb des Hakens und das war es auch schon. Nach dem breiten Absatz muss man sich erst etwas links halten, um die guten Griffe zu erreichen, von dort lässt sich dann gut klippen. Ansonsten steht man doch sehr ausgesetzt und man spürt die Höhe im Nacken, obwohl man erst mal auf den Absatz fallen würde.  Geklippt geht es weiter nach rechts und den nächsten Haken sollte man nicht von unten klippen, sondern vorbeisteigen. Ein Querriss gibt guten halt, dann gibt es mehrere Varianten zum Umlenker. Ich versuche es erst links. Holger geht rechts.

Wir wechseln in den alten Weg und den Fledermausweg 6+. So ganz begreife ich die Topo noch nicht, aber der Alte Weg geht wohl weiter über die ganzen Wände. Schön für alle, denen man dann im Weg ist.
Der Sichernde sollte sich am Fels einhängen, fällt der Vorsteiger vor dem ersten Haken, zieht er unweigerlich den Sichernden in den Abgrund.
Den ersten Haken erreicht man gut, wenn man nach dem breiten Absatz sich erst einmal links hält, dann kommt eine schöne Kante (innen eine Erhöhung und weit rechts ein guter Griff). Füße sortieren und nach oben zum zweiten Haken. Der rechte Fuß sollte auf der höchsten Trittstelle des Absatzes stehen, dann reiche ich eingedreht gerade mit den Fingerspitzen an den nächsten wichtigen Griff. Links in einem Loch oder Knubbel gehalten, rechts ganz nach oben. Schöner, rechtwinkliger Aufleger. Die linke Hand in ein gutes Loch, Füße wieder sortieren, mit rechts auf die nächste Kante, zum nächsten Haken.
Holger schimpft, der Hakenabstand sei zu groß. Ich finde ihn genau richtig. Ein bisschen kribbeln im Nacken, wer hier an seiner Grenze klettert, wird es schnell sein lassen. Später sehe ich Lokal John, wie er den Haken der Nachbarroute an der Stelle mit einer Bandschlinge verlängert. Auch eine Variante.

Zum nächsten Haken geht es über solide Griffe und Tritte, anschließend wird es wieder kniffeliger. Ich gehe eher rechts, später sehe ich einen Lokal direkter auf den nächsten Haken zulaufen. Erst kurz vor dem Haken wird es noch mal schlüpfrig. Hier kommt ein Quarzband aus der Wand und manche Griffe sind schon rundgeschliffen. Aber noch hab ich genug Fingerkraft und halte eine kleine Nase, klippe und greife am Überhang einen Untergriff. Mit diesem und sicherem Stand, ein beherzter Griff nach oben, über einem alten, rostigen Haken ist ein breiter Querriss mit guter Kante. Den alten Haken klippe ich diesmal auch gleich, wechsele langsam nach links, dort bietet sich oberhalb ein satter Henkel an, erst seitlich, dann oben gegriffen, Füße auf die glatte Wand (die doch zwei kleine Knubbel bietet) und hoch zum nächsten fetten Griff. Umlenker, Stand, Aussicht genießen.

Das war endlich mal eine Route, die ich langsam und regelrecht gemütlich geklettert bin. Ganz ruhig die Griffe gesucht, die Füße gesetzt, kein Dynamo sondern Kopfeinsatz. Wirklich schön.
Ich komme wieder unten an und Holger meint, dass er die Route erst einmal Toprope klettern wolle.
Ich ziehe meine Schuhe aus, rücke die Rücksäcke auf dem schmalen Grat zusammen und ziehe seelenruhig das Seil ab. Holger schaut mich irritiert an: “Ich wollte doch nachsteigen!” Shit. Stimmt. “Na, das geht schon”, sage ich. Und genau in diesem Moment fängt es an zu regnen. Fette dicke Tropfen. Shit. Und das Material hängt oben. Im nu kommt Hektik auf, der Fels wird schnell glatt. Also hänge ich mich wieder ein. Ich bin schneller und kenne den Weg.
Jetzt renne ich die Route nach oben. Und schon sind einige Griffe, die eben noch Spaß gemacht haben, glatt und abweisend. Ich chalke wie ein Weltmeister, rutsche an einer Stelle ab und schlage mit dem rechten Schienbein irgendwo an, kann den Sturz vermeiden, unter dem Überhang, es regnet jetzt heftig, geht mir die Kraft aus, ich kann den Griff im Quarzband nicht halten. Würge mich irgendwie am Dach vorbei, knalle dabei mit dem Oberschenkel irgendwo heftig an. Sogar der fette Henkel lässt sich nur mit Mühe halten, dann der letzte Henkel und oben. Material einsammeln, runter, Packen und unterstellen. Am Abend bewundere ich die Blessuren, die mir noch einige Tagen zu schaffen machen.

Wir wollen schon gehen, aber das Internet sagt, der regen geht schnell. Als warten wir und tatsächlich, der Regen hört auf und bis auf die Standplätze, die den ganzen Tag glitschig bleiben und einige wenige Griffe und Absätze, ist der Fels nach kurzer Zeit wieder begehbar.
Holger will immer noch den Fledermausweg 6+ klettern, also laufe ich die Route ein drittes Mal. Nach dem ersten Haken hat sich das Seil verheddert und ich lasse mich ab und helfe. So mache ich die ersten Meter sogar viermal.
Beim dritten Lauf sind die Arme schon schwerer, die angeschlagenen Stellen machen sich bemerkbar und die Fingerkaft hat bei dem Regenrun massiv gelitten. Jetzt ist die Route anspruchsvoll. Am Dach brauche ich eine Pause, der Quarz ist feucht und ich rutsche mehrfach mit den Schuhen ab. Das Seil oben eingehängt, darf nun endlich Holger ran und er flucht mächtig, was mich wiederum bestätigt und grinsen lässt.

Die letzte Route stand dann wohl in keinem Buch und setzte sich aus dem alten Weg 6+, der normalen Schleife 5 und dem Rumpelstilzchen 7 zusammen.
Da geht es kreuz und quer, so in etwa hatte ich es bei Mario beim letzten Mal gesehen. Das hatte noch mal alles gefordert und müde und zufrieden konnten wir dann den Felsen verlassen. Mittlerweile waren Horden aufgetaucht und bevölkerten den Fels und wir waren froh nun Feierabend zu haben. Lange würden die eh nicht klettern können, schließlich war Regen angesagt.

Der Regen kam dann wohl erst  am Abend.

 

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