Als Kletterer kommt man in Gegenden, die der normale Tourist so leicht nicht ansteuert. Und manchmal findet am Kleinode, die es lohnen, auch lange Wege zu gehen.

Pod Kljucicom in Kroatien ist so ein Ort in der nähe von Drnis am Fluß Cikola – Koordinaten: 43.830657,16.032783
Profis werden sich dort nicht hin verirren, die höchste Schwierigkeit liegt gerade einmal bei 7+,
aber das Ambiente und die Landschaft verwöhnen einen um so mehr.  Selten hat mich ein Klettergebiet so begeistert und ich habe Stunden dort nur mit Felsen anschauen zugebracht.

Das Tal, in dem der Fels liegt, ist schwer zu finden. Einer der Zuläufe der Krka-Wasserfälle ist im Sommer Wasserlos und so kann man im Bachtbett durch eine tiefe Schlucht laufen.

Erster Anlaufpunkt ist die Ortschaft Brnjica. Dort geht es an einem Trafohäuschen von der Straße ab auf einen Feldweg. Man kommt sich vor, wie im australischen Outback. Rote Erde mit hüfthohen Buschen, schritttempo, die Straße schlecht. Nach einigen hundert Metern, es können auch zwei Kilometer sein, endet der Weg. Das soll der Parkplatz sein. Noch sieht man von dem Tal nichts, erst wenn man dem Trampelpfad weiter folgt, wird plötzlich ein imposanter Touristenweg daraus. Mit weißen Kies und vielen Bänken und noch mehr Spitzkehren, schlängelt sich der Weg sanft den Hang hinab. Geschätzte 200 Höhenmeter. Auf der gegenüberliegenden Seite steht die Ruine einer ehemals stolzen Burg: Fortress Kljucica steht in meinem Führer.

Dann endet der perfekt Wanderweg plötzlich. Es geht steil bergab. Zwar immer noch auf Kies, aber hier will man Tante Hilde dann wirklich nicht mehr wandern sehen. Was sich die Kroatischen Wegeplaner hier gedacht haben ist mir unerklärlich. Ein Stück Touristenidyle in der Pampa. Der Weg führt ins Tal, mitten ins Bachbett. Weiße, faustgroße Kieselsteine zeigen, welche Gewalt hier herrscht, wenn Wasser im Bett ist. Ich muss flussaufwärts und irgendwann an die linke Wand. Nur wo ist der richtige Punkt das Bachbett zu verlassen. Ich muss lachen, als ich den Wegweiser finde. Irgendein Witzbold hat einen BH in die Büsche am Rand gespannt und damit den kleinen Weg markiert. Verblichen hängt er da, aber jeder der den Weg sucht, wird diesen Wegweiser nicht übersehen.

Dann stehe ich vor dem Fels und da ohne Sicherungspartner, noch dazu barfuß, klettere ich eine 5c free solo.
Schön ist es hier, es ist 11 Uhr und die Sonne beginnt auf den Fels zu scheinen. Letzte Gelegenheit zum klettern, schon nach wenigen Minuten wird der Fels zu heiß. Im Sommer ist dann schon Schluß und erst kurz vor dem Sonnenuntergang wird es erst wieder kühl genug sein zum klettern. Also heisst es, sehr früh am morgen hier her zu kommen.

Ich wandere das Flussbett weiter aufwärts und was dann kommt übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Manchmal fühle ich mich an die berühmten Canyons in Amerika erinnert, so schön ist es hier.

Anstrengend wird es dann noch einmal auf dem Heimweg, der steile Weg erscheint in der Gluthitze noch steiler und so bin ich froh, wieder am Auto zu sein. Der Kletterführer meint vom Parkplatz zur Kletterwand seien es 15 Minunten. Ich habe eine gute Stunde dafür gebraucht.

Einige Tage später versuchen wir vom Flußaufwärts in das Tal zu kommen. Eine Brücke überbrückt zwei Kilometer weiter den leeren Fluß und wir parken am Wegrand. Laufen im Flußbett über große Wacker. Ungefährlich ist das nicht, schnell tritt man in ein Loch. Auf der Ebene über uns brennt es und im minutentakt fliegen Löschflugzeuge über das Tal, die im Krka-See Wasser getankt hatten.

Wir kommen nicht bis zum Kletterfelsen, denn an der schönsten Engstelle hat der Fluss in den blanken Fels Windungen eingefräst, die bis zu 6 Meter tief abfallen. Zu tief um weiterzuwandern. Also bleibt nur der oben beschriebene Weg ins Tal um in  Pod Kljucicom zu klettern.

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