Gimmeldingen – Sandstein – Steinbruch

Vor 10 Jahren habe ich von „Gimmeldingen“ gehört. Ein Pfälzer hat es abwertend beschrieben. Das wär kein echtes klettern. Ein gewachsener Fels.
Dann hörte ich von der Neueröffnung und dachte: Da schaust du mal gelegentlich vorbei.

Das war so 2009 – manchmal dauert es etwas länger, bis man dann „Gelegenheit“ bekommt.
Nun war es soweit und so bestand ich erstmals darauf am Vatertag auch etwas für Vatern zu machen. So fuhren wir mit dem Wohnmobil nach Gimmeldingen und kletterten drei Tage lang.
Der Weg vom Ort, bzw. Parkplatz zum Steinbruch ist nicht gut ausgeschildert, geht einen Wanderweg stetig nach oben und wer den falschen Abzweig nimmt steht wohl an einem Ausflugslokal. Wer richtig läuft steht vor einem schönen, schattigen Steinbruch, toll ausgebaut und für jede Schwierigkeit und Kletterart ein paar Routen.
Um es vorweg zu nehmen: Die Kritiker hatten unrecht: Das Klettern macht hier richtig Spaß, auch wenn die Routen manchmal in ihrer Struktur rasch wechseln. Eigentlich logisch in einem Steinbruch. Da ist nichts „gewachsen“.

Wir sind früh morgens am Fels, nur ein weiteres Pärchen war um 9 Uhr schon am Fels. Es sollte nicht lange dauern, bis fast jede Route belegt war.

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Um uns erst einmal an den Sandstein und Felsstruktur zu gewöhnen, suchen wir uns eine einfache Route.
Und wieder mal ein Fehler. Wie oft habe ich mir schon geschworen, die vermeintlich einfachen Routen zu meiden. Meist sind sie schlecht zu klettern, mit bescheidenem Sturzraum.

Wir starten in der Zickzackwand am Bärenbauch 4 / Ganzer Bär 5.
Einfach ätzend. Ich mag diese flachen Dinger nicht. Trotzdem war es ok, um mal Sand unter die Finger zu bekommen und die Strukturen kennen zu lernen. Besonders im oberen Bereich ist die Route nicht eindeutig zu lesen und man kann es sich über die Platte auch schwer machen.2015-05-14_09-20-28_Gimmeldingen_1882-1600

 

 

 

 

Weiter geht es in der Mitten im Winter 6. Schon deutlich netter. Der Weg ist eindeutig, und da senkrecht auch für den Kopf angenehmer. Im unteren, flacheren Teil suche ich immer wieder Tritte, weiter oben ist es eine muntere  Kletterei. Nur am Umlenker lässt es sich schlecht greifen.

Die Uta unsichtbar 6-, direkt nebenan, lädt dann zum weiterklettern ein. Und hier mach die Verschneidung richtig Spaß. Sehr einfach am Anfang, oben dann athletischer. Der Fels oben sieht erstaunlich aus. Wie ausgewaschen in einem Flußbett. Farbig strukturiert. Auch hier ist der letzte Griff vor dem Umlenker nicht einfach zu halten. Der Rest ist purer Genuß.

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Es geht auf 11 Uhr und der Steinbruch füllt sich massiv. Die Kenner haben alle schönen Routen besetzt und Klettergruppen die einfachen. Zwei drei 6er, 7er hatte ich mir schon ausgeguckt, aber die waren dauerhaft belegt.

So wechseln wir in den Sektor Plattenwand Teil 2:

Im Bergwerk 6+ rackere ich mich einige Male an der Crux ab. Ist der erste Tritt schon nicht einfach zu identifizieren, kommt man nach zwei Metern zu einer harten Boulderstelle. Noch ungesichert, denn der ersten Haken ist noch ein Stück weg.

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Ich finde für den linken Fuß keinen Tritt, kann mit der rechten auch nicht recht halten, clippe erst einmal. Nach drei Stürzen kommt mir die Idee, lehne mich nach rechts, hooke und kann plötzlich ganz bequem den Schlüsselgriff ziehen. Am nächsten Tag sehe ich einen größeren Kletterer, der sogar auf Reibung an der Stelle nach oben greift. Meine Lösung klettere ich noch zwei Mal und der Zug gefällt mir besser und sieht spektakulärer aus :-)

Wir wechseln in eine Route in der rechten Ecke, im Topo nicht eingezeichnet. Ein Seilschaft tat sich in der Verschneidung schwer. Wir gehen sie und genießen. Gefühlt höchstens 6.

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Für den ersten Tag reicht es, der Fels ist mittlerweile voll, wir klettern noch etwas anspruchsvolleres, mittlerweile sind einige Bekannte aus der Halle in Darmstadt gekommen.
Im Sektor Treppe klettern wir die Verschneidung. Irgendwer meint es sei eine 7+ in einem Topo steht sie mit 7 zu Buche. Mehr als 7 ist sie auf gar keinen Fall.
Die Route ist nicht einheitlich, hat ganz unterschiedliche Technikstufen und mehrere Schlüsselstellen. Im mittleren Teil fehlt ein wenig die Absicherung und vorm Umlenker mache ich es mir schwer und gehe über Links, was die Route deutlich schwerer macht.
Die anderen gehen die Route im Nachstieg und fluchen leidlich.

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Jetzt ist es richtig voll und wir verschieben das Klettern auf den nächsten Tag und genießen am Nachmittag den Wein auf dem Fest im Nachbarort.
Freitagmorgen regnete es und so machten wir erst einmal einen Ausflug.
Bis zum Nachmittag war es wieder trocken und am frühen Abend wanderten wir von unserem Übernachtungsplatz wieder in den Steinbruch.
Diesmal fast vollständig leer. Also viel Auswahl.

Wir starten im Sektor großer Riss und machen erneut den Fehler mit den „leichten Routen zum aufwärmen“
Diesmal The one and only 6-. Nichts wirklich schwieriges, aber schön ist anders.

Dafür kommt danach der Riß!
Fissura Calzonata 6+

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Der erste Haken hängt ziemlich weit oben und ich sah am Vortag eine Reihe von Kletterern, die mit Clip-Stick arbeiteten.
So schwierig sah der Einstieg eigentlich gar nicht aus. Ich gehe los und merke schnell: Doch nicht so einfach.
Halten und suchen. Irgendwann bekomme ich eine Idee für den linken Fuß und kann mit der Panik-Exxe clippen.
Wenn der Kopf dann frei ist, findet man etliche Varianten. Am nächsten Tag gehe ich das Stück ohne Panik und entsprechende Exxe, ganz locker.

Anschließend wird es einfacher, sofern man Risse und Verschneidungen klettern kann. Eigentlich braucht es mehr Verschneidungstechnik, als Klemmer. Vom dritten auf den vierten Haken ist der Weg wieder mal lang und natürlich sind die Friends in der Tasche. Geht aber. Am nächsten Tag klemme ich hier einen vierer Camalot (und sei es nur, um ihn mal zu benutzen) und natürlich gibt das ein viel sichereres Gefühl. Ein zweiter Friend weiter oben und die Route ist safe.

Im oberen Drittel heißt es dann noch einmal ordentlich Verschneidung klettern. Zwei, dreimal umgreifen, Füße hochsetzen und die Kante greifen. Da ist es dann auch nicht mehr wichtig, dass man zwei, drei Meter über dem Haken steht. Das hält!

Tolle Route – ich hab die ganze Nacht davon geträumt. Onsight und Rotpunkt.
Am nächsten Morgen machte ich sie nochmal und jetzt kannte ich den Weg und sie war plötzlich viel einfacher und nur noch Genuß. Wenn man nicht suchen muss, sondern zügig klettern kann, ist es halt viel einfacher.
Die 6+ ist allemal gerechtfertigt, auch wenn später Leute meinten, dass sei doch viel schwerer. Ist es nicht.

Im Anschluss gings in den wilden Westen: Der Ponyexpress 6+ stand an. Im Vergleich zum Riss deutlich leichter. Also sollte der Riss vielleicht doch eher 7 sein.
Sagen wir einfach: eine andere Kletterei. reine Verschneidung. Manchmal sind die Griffe und Tritte etwas versteckt. Aber es bieten sich so viele Möglichkeiten, dass die Route viel Spaß macht.

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Für diesen Abend ließen wir es damit gut sein und am kommenden Morgen waren wir wieder vor der Welle vor Ort und kletterten erneut die beiden Risse.

Endlich war das Ekelpaket 7 frei. Schon am Vorabend wäre ich die Route gerne gegangen, aber zwei Kerle blockierten die Route gefühlte Stunden.
Der Name Ekelpaket kommt nicht von ungefähr.

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Noch dazu sieht die Wand extrem glatt aus. Die ersten Meter gehen überraschend gut, dann heißt es optimal stehen und die wenigen Fingergriffe zu halten. Irgendwie hochkämpfen. In der Mitte dann sollte man sich verspreizen. Völlig bescheuert stehe ich in der Wand. In einer ca. 1 Meter breiten Stelle stehe ich die die Knie aneinander gedrück, die Sohlen rechts und links an vertikale Leisten gepresst frei. Das Seil muss ich zwischen den Beinen hochzerren. Sieht sicher selten doof aus, wie ich mir im Schritt herum fummele, um das Seil zu finden. Immerhin, ich falle nicht heraus, kann clippen und merke schnell, dass es nicht leichter wird.

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Nun kommen viele Sloper und Reibungsstellen, Kein Henkel für eine Pause in Sicht. Noch dazu geht die Route nun unter einer Kante nach rechts. Zwar finden sich unter diesem Dach immer wieder Fingerlöcher, aber für die Füße nur wenig. Der letzte Zug vor dem Umlenker ist noch einmal ein Kraftakt, dann ist es vollbracht. Schönes Ekelpaket!

Im Anschluss, da wieder die meisten Routen voll waren, gehts  in den Sonnenaufgang 7-.

Entlang eines Risses auf einer glatten Wand. Nicht wirklich schwer. Der Anfang etwas verwirrend, nach oben leichter. Zumindest dieser Teil erscheint mir schwerer als 7-. Oben gilt es gut auf  Reibung stehen zu können, dann ist es leichter. Am Gipfelbuch noch einen Gruß hinterlassen…

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…und weiter gehts zur letzten Route:

Holla die Waldfee 7-

Ich befürchte ja, dass wir die Route falsch gelaufen sind. Denn sie war mitnichten schwer. Am Anfang fand ich nichts für die Füße. Trittelchen. Als dann die erste Exxe sass und ich mich erinnerte, dass die Finger viel mehr halten können, wurde es einfach. Deutlich einfacher als der Sonnenaufgang und viel, viel einfacher als das Ekelpaket.

Drei Tage Klettern gingen zu Ende, um 12 Uhr machten wir Schluss. Wir waren geduscht, hatten in Ruhe im Wohnmobil gegessen und noch eine Gärtnerei besucht, als es zu Regnen begann. Der frühe Vogel fängt den Wurm.

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