Hainstadt, nach sieben Jahren ist alles wie neu

Heute ging es mit der Klettergruppe nach Darmstadt. Holger und Holger und Patric und Erwin und Jens und ich.
Ich steige die erste Routen vor.

Vor sieben Jahren waren wir einmal kurz im Klettersteig. Es war Spätherbst und kalt und schwer.
Heute war es warm und sonnig und einfach nur schön. So stellt man sich ideales Kletterwetter vor. Von der Arbeit an einem Freitag direkt an den Fels. Eigentlich fehlte nur ein Grill und ein Kasten Bier.

Der Fels war absolut leer, kein Kletterer weit und breit. Ich war am Anfang noch alleine und konnte mir in aller Ruhe die möglichen Routen heraussuchen. Da alle sicher erst einmal etwas zum warmmachen klettern wollten, wählte ich die Vampir 6. Eigentlich keine Schwierigkeit, die wir nicht klettern könnten, aber schon auf den ersten Metern war die Route durch ihre Längen kniffelig. Besonders im unteren Bereich musste man schon ab dem ersten Griff heftig ziehen und da der erste Haken weit ist,  konzentriert sein. Nach dem ersten Haken, heisst es, die Route finden. Unten bin ich erst mal nach links, um am nächsten Haken nach rechts zu gehen. Und dann gleich wieder nach links.  Wenn man den Weg kennt, sicher einfacher.

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Im oberen Bereich am ersten Umlenker, entschloss ich mich weiter zu gehen, aber irgendwie fand ich die Route nicht so recht und bin dann doch über rechts, was einige Kletterer die später kamen zu dem Kommentar animierte: „Da ist seit Jahren keiner mehr entlang“. Immer für etwas neues gut :-) Hexentanz 6+ oder Superdirekt 7.

Als zweite Route hängte Holger Die große Verschneidung 5 ein. Auch er tat sich beim Verschneidungsklettern schwer. Der Sandstein verzeiht keine Fehler. Man muss auf Reibung stehen und gute Körperspannung zeigen.

Anschließend sichert er mich in der Schuppe 7-. Ein netter Typ will mir die Route einhängen, erkennt aber dann wohl, dass ich das alleine machen kann. Überhaupt sind die Leute, die mittlerweile da sind, ausgesprochen nett und es ist eine super Stimmung.
Babs aus der Kletterhalle ist auch da, erzählt sie kommt aus Hainstadt und gibt mir den einen oder anderen Tip.

Der erste Haken hängt hoch und es gibt keinerlei Möglichkeit eine Sicherung zu legen. Wenn man dann am klettern ist, merkt man rasch, dass er zwar hoch hängt, aber keine Herausforderung darstellt.
Mit der Sicherung klettert es sich gleich viel leichter. Nun geht es von Band zu Band, nach dem zweiten Band kommt die Schwierigkeit: Die Schuppe, die der Route ihren Namen gegeben hat. Beim ersten Versuch stelle ich den rechten Fuß nicht weit genug rechts. Erst dann stehe ich vernünftig, kann die Schuppe greifen, nach links ziehen, die Füße rechts anstellen und mit rechts die rechte Kante greifen. Nun stehe ich stabil, kann nach oben greifen und bin über die Schuppe drüber. Der Rest ist leichter. Immer noch muss man die Füße gut setzen und das Gleichgewicht halte.
Keine einfache, aber ein schöne Route. Kleingriffig und gute Kanten an den Schuhen helfen.

Holger geht die Route nach und hängt in die daneben liegende Fingertaub 7+ ein.
Nun wird es kniffelig. Ich nehme die ersten Meter so einfach wie möglich, es geht auch über die glatte Wand, wie Erwin später anschaulich zeigt.
Dann geht es zum ersten Band. Dort aufzustehen zeigt, wie es in der Route weiter gehen wird. Das Aufstehen ist hier gefordert. An jedem Band und je höher man kommt, desto weniger hat man über sich einen Griff. Oben steht man dann nur noch an die Wand gelegt. Wer das Gleichgewicht gut halten kann, hat klare Vorteile.
Nach dem Band, die erste Crux.

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Holger auf der Suche in der Fingertaub 7+

Rechts hat man ein Loch an der linken Kante, an der rechten Kante, einen Meter weiter, kann man nur die Hand anlegen. Anziehen, die Füße stellen. Ich versuche die Hände höher zu nehmen, versuche mit Links nach oben zu greifen. Falle.

Zweiter Versuch. Jetzt geht es schon einfacher. Ich stehe, greife wieder schnell mit Links. Und falle.
Dritter Versuch. So langsam weiß ich, wie es geht, finde aber kein Gleichgewicht. Falle.
Vierter Versuch. Ich stehe, richte mich diesmal nach Links auf, habe den Druck auf der rechten Hand und kann ganz ruhig nach oben greifen. Schöne scharfe Löcher warten dort. Das zweite Band ist geschafft.

Das dritte Band lässt sich gut klettern, man muss sich diesmal an der glatten Wand aufrichten, Links eine 1cm-Kante, rechts gute 5cm. Mit links zieht man sich hoch, mit rechts stützt man. Ich stehe. Cool!
Nach oben greifen, aber ich stehe nicht solide genug, lehne zwar an die Wand, aber als ich die linke Hand hoch nehmen will, muss ich den Po ein kleines Stück nach außen nehmen und verliere das Gleichgewicht und abwärts gehts.
Beim zweiten Versuch stehe ich wieder und nehme mit einem Finger der linken Hand ein kleines Loch, vielleicht 1cm tief, aber ausreichend um mich an der Wand zu halten. Ein Griff mit Rechts nach oben. Sicher. Einhaken, abseilen.

In der Ecke wartet noch die Fantasia 6+ auf mich. Babs und Erwin sind durch, ich steige ein. Von unten sieht das Teil schon auf den ersten Metern schwer aus. Ist es aber nicht. Erstaunlich einfach gehen die ersten Meter. So geht es weiter bis nach dem zweiten Band. Dann plötzlich nur noch ein Mikroriß in der Ecke und glatte Wände. Schon erstaunlich, wie sich die Struktur massiv verändern kann.
In der Verschneidung kann ich den Mikroriss noch gut greifen, erst mit der einen, dann weiter oben mit der anderen Hand. Aber für die Füße finde ich nichts. Babs ruft mir etwas von Kule zu, ich kapiere aber nicht, was sie meint. So stelle ich erst den linken Fuß auf eine Kante links. Rechts einfach an der Wand an. Jetzt stehe ich ziemlich schräg nach links, bekomme aber keinen Druck mehr auf den Fuß. Nun sehe ich die „Kule“, eine Vertiefung 10 Zentimeter über den linken Tritt. Ich gehe noch einmal zurück. Jetzt versuche ich den Fuß höher zu stellen, komme kaum in die Kule, schiebe mich hoch, nur nicht die Finger aus dem Riss rutschen lassen. Ich drücke mich nach oben, stehe und kann den nächsten Griff greifen. Der Rest ist einfach. Rasch bin ich am ersten Sauschwanz. Eigentlich hätte es mir gereicht. Aber irgendwie reizt mich auch der Rest.

Die Route ist zu Beginn einfach. Vielleicht klettere ich auch zu sehr in der Verschneidung, aber das ist mir erst einmal egal. Kurz vor der Höhle wirds dann noch einmal schwierig. Auf Reibung drücke ich mich in die Höhle. Nun  nutze ich das Loch am Rand der Decke um mich nach außen zu legen und erst einmal eine Exxe einzuhängen. Anschließend das Seil. Das alles dauert und kostet Kraft. Nun hänge ich mich nach außen und schaue mir erst einmal die Restroute an. Nach links gehen, den linken Griff, in der Mitte mit rechts nach oben, nach links hängen, den rechten Fuß hochlegen, hooken, mit rechts nachgreifen – hinter dem Griff ist ein besserer Griff – mit links höher greifen, von unten ruft es: „Dein Handy fiel gerade herunter“ aus 18 Meter direkt vor Holgers Füße. Ich hatte von Holgers letzter Tour Bilder gemacht. So etwas sollte nicht passieren.
Ich hooke mit allem was geht, lege das linke Bein zum rechten und verletze mir irgendwie das Knie. Ab ins Seil.

Ich stehe in der Höhle, versuche wieder loszugehen, ein stechender Schmerz schießt mir ins Knie. Minutenlang kann ich mich nicht bewegen. Shit, die Exxen hängen noch über mir. Ich muss da hoch. Also noch einmal. Diesmal hooke ich mit rechts und lasse das linke Bein hängen, ich quäle mich nach links, stütze, drücke und irgendwann eine Gefühlte Ewigkeit später stehe ich am Umlenker – auf einem Bein. Das linke kann ich nicht belassen.

Knie1Wieder unten angekommen und abgebaut, lässt sich das Knie belasten, aber Drehbewegungen tun weh. Das Hände, ein Samsung S2, ist übrigens in Takt. Das Display hat keinen Kratzer. Unglaublich. Ein neueres Smartphone hätte diesen Sturz nie überlegt, auch wenn der Waldboden einiges abgefangen hat.

Es fing leider an zu regnen und so entschlossen wir uns etwas früher Heim zu fahren. Ein toller Klettertag, ein paar Blessuren – man muss es ja nicht übertreiben.

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